Mein erstes Wochenende, das ich nach erstes anstrengenden Woche in Corowa hatte, habe ich in Melbourne verbracht (das ist vier Stunden mit dem Zug von hier entfernt). Eine Tante der Familie wohnt dort und da ich so nett war und Amarni mit dem Zug mit nach Melbourne genommen habe, konnte ich dann gluecklicherweise auch bei der Tante fuer die zwei Naechte bleiben, was ziemlich super war.
Wir sind aber erst Freitagabend spaet angekommen, sodass ich, ausser ins Bett zu gehen und zu schlafen nichts mehr weiter gemacht habe.
Samstagmorgen habe ich mich mit einem ehemaligen Schulkameraden meiner Oma getroffen, der kurz nach Krieg nach Australien ausgewandert ist. Zusammen mit seiner Frau sind wir zusammen durch Melbourne gefahren und gelaufen und haben uns dort alles moegliche angeguckt, was es halt so zu sehen gibt. Es war auch echt schoen, sich die Stadt mit zwei Einheimischen anzugucken, die einem jede Menge erzaehlen konnten. Allerdings wurde mir
auch erzaehlt, dass Melbourne die trockenste Grossstadt der Welt sei. Da war ja irgendwie klar, dass es wie bloed regnen wuerde, wenn ich da bin, denn das hat es leider fast die ganze Zeit ueber. Aber abgesehen davon, dass ich somit nicht auf den Aussichtsturm gefahren bin, war das zum Glueck auch nicht weiter schlimm. Melbourne ist schon eine sehr schoene Stadt und es war super ein Wochenende dort zu verbringen.Es wird wohl auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich da war, denn uebrnaechstes Wochenende werde ich wohl wieder dorthin fahren und mir dann den Rest angucken, den ich jetzt noch nicht gesehen habe.
Mein Tag hier bei der Familie ist ziemlich durchstrukturiert. Ich fange jeden Morgen um 8 Uhr an, fuettere Bray, ziehe ihn an und raueme dann meistens ein bisschen im Wohnzimmer auf. Probiere Amarni irgendwie dazu zu bekommen, dass sie auch ihr Fruehstueck isst und sich anschliessen anzieht. Dies kann sich teilweise ueber Stunden hinziehen, eine Stunde brauchen wir mindestens dafuer, normalerweise aber eher anderthalb oder zwei. Das ist schon ein bisschen nervig. Nebenbei raeume ich die Kueche auf, raeume den Geschirrspueler aus, mache die Kinderbetten und raeume auch die Zimmer auf, wenn da irgendwas rumliegt. Im Grunde ist das eine ganze Menge Putzen und Hinterherraeumen, was ich hier mache.
Spaeter am Vormittag gehe ich mit Bray und manchmal auch Amarni einkaufen. Tag ein Tag aus gehe ich die Hauptstrasse mit den Geschaeften runter (wobei der Ort hier sowieso aus fast nur dieser einen Strasse besteht) und besorge immer irgendwelche Kleinigkeiten zum Essen.
Mittags um 12 Uhr gebe ich Bray sein Mittagessen. Immer erst was warmes, dann Joghurt und dann Pudding. Diese Reihenfolge scheint irgendwie heilig zu sein und genau so muss ich ihn immer fuettern. Anschliessend mache ich Amarni ein Sandwich zum Mittag und danach beschaeftige ich mich noch so ein bisschen mit den beiden Kindern. Oder sauge, wische, haenge Waesche auf, buegeln, putze das Bad etc... Auch wenns unglaublich erscheint, aber tue ich wirklich all diese Dinge. Um 13 Uhr bekommt Bray seine Flasche von mir und anschliessend wird er auch nach einer bestimmten Prozedur ins Bett verfrachtet und normalerweise schlaeft er dann bis 15 oder 16 Uhr. Das ist fuer mich die angenehmste Zeit waehrend des Tages, weil ich da frei habe und machen kann, was ich will. Was sich meistens auf was z
u essen beschraenkt und dann zu lesen. Aber immerhin.
Wenn Bray dann irgendwann aufwacht, beschaeftige ich ihn irgendwie bis 17 Uhr und dann bekommt er sein Abendbrot, das immer genau das gleiche wie das Mittagessen ist. Anschliessend bade ich ihn zusammen mit Amarni, ziehe den beiden ihre Schlafanzuege an und bin dann schliesslich und endlich fertig mit dem Tag.
Zumindest grob ist das mein Alltag und mein normaler Tagesablauf hier, hin und wieder gibt es auch einige Ausnahmen dazu (wobei natuerlich nie irgendwas an Brays Prozedere herumgedockert werden darf).
Samstagmorgens bin ich in aller herrgottsfruehe nach Albury gefolgen. Das ist immer noch in New South Wales, aber ziemlich weit am A*****, um das mal so auszudruecken. Dort wurde ich dann von meiner AuPair-Familie abgeholt, und mit vielen Umwegen sind wir dann irgendwann nach Corowa, 
was glatt noch weiter abgelegen als Albury ist, gekommen. Auf dem Weg dahin sind wir z.B. noch durch ein Doerfchen gefahren, in dem Mel Gibson eine Farm besitzt und durch eine uralte Goldgraberstadt, die auch wirklich ganz nett anzusehen war.
Meine AuPair-Familie besteht aus den Eltern Gabriel
le und Nigel und der 4-jaehrigen Tocher Amarni und dem 15-Monate alten Bray. Die Eltern sind eigentlich ganz nett und der Kleine ist auch supersuess und normalerweise sehr einfach zufrieden zu stellen. Das Maedchen hingegen kann zeitweilig ziemlich, ziemlich anstrengend sein und mir tierisch auf die Nerven gehen, um das mal so zu sagen. Naja, aber meine Zeit hier ist sowieso nur befristet bis Anfang September und bis dahin sollte ich das auch mit der ueberstehen.
Corowa ist ein ziemlich kleines Oertchen in New South Wales am Murray River gelegen und damit auch direkt an der Grenze zu Victoria. Es wohnen ungefaehr 5.500 Leutchen hier. Es gibt eine Hauptstrasse mit ein paar Geschaeften, in denen man sich fuer seinen taeglichen Bedarf eindecken kann. A
nsonsten ist hier nicht sonderlich viel los. Im Grunde eigentlich gar nichts.
Was aber schon einigermassen angenehm ist, dass ich mein eigenes kleines Haeusschen hier bei der Familie habe. Mein eigenes Badezimmer, und ein riesen Zimmer mit Kuechenbereich, Wohnbereich und Schlafecke. Das einzig bloede daran ist, dass das Haeu
sschen noch ziemlich neu ist und noch nicht ganz fertig. So ist die Dusche leider noch nicht fertig in meinem Badezimmer eingebaut. Dazu muss ich also doch immer in das Haupthaus ruebergehen. Aber das ist auch nicht so das Problem. Immerhin habe ich ansonsten meine Ruhe und kann am Wochenende ausschlafen ohne von den Kindern geweckt zu werden. Und das ist ja die Hauptsache.
Angekommen in Sydney sind wir sehr frueh am Donnerstagmorgen. Gemeinschaftlich sind wir schoen an der Visastelle vorbeigelaufen und sind ohne Visaeintrag im Pass in Australien eingereist. Und, so wurde uns das zumindest gesagt, ist das auch nicht mehr noetig, da alles elektronisch gespeichert ist. Tja, und wenn das nicht der Fall sein sollte, dann werde ich irgendwann wohl ein Problem haben.Vom Flughafen aus sind wir direkt ins Hostel gefahren, dass direkt in der Innenstadt lag. Nach einer Dusche haben wir uns auf den Weg zu Aifs (der Partnerorganisation hier in Australien) gemacht, um uns noch ein paar Informationen zu besorgen, wie die australiesche SIM-Karte, einen Stadtplan etv. So ist dann irgendwie der Vormittag rumgegangen.
Nachmittags haben wir uns dann ein bisschen von Sydney angeguckt. Wir sind zur Harbour Bridge gelaufen und wollten eigentlich auch zur Oper, was aber leider nicht ging, da es uns naemlich nicht moeglich war die Strasse dahin zu ueberqueren. Denn die war leider gesperrt, da stunden spaeter der Papst erwartet wurde. Der hat ja ein bisschen unsere Plaene durchkreuzt. Aber der riesigen wartenden Menge haben wir uns dann kurzfristig auch noch angeschlossen, als dann klar war, dass der Papst jeden Moment vorbeikommt. Und dann habe ich ihn sogar gesehen. Was fuer ein Glueck, dass ich in dem Augenblick nicht zwinkern musste, denn sonst haette ich ihn verpasst. Der ist in seinem Papstmobil so schnell die Strasse runtergefahren, dass man praktisch nur einen Schatten seiner gesehen hat.
Abends sind in eine australische Bar gegangen um unser erstes richtiges Bier zu trinken. Wir haben mehrere verschiedene ausprobiert und ich habe keine Ahnung, wie die hiessen. Aber es war definitiv kein Fosters dabei, dass in Deutschland ja als das australische Bier schlechthin bekannt ist.
Achja, mit das wichtigste haette ich fast vergessen. Ich habe mir den Donnerstag schon einen Job gesucht und zwar als AuPair in Corowa, bei dem ich am Samstag starten sollte. Hab mir auch gleich einen Flug nach Albury gebucht gehabt, sodass ich dann auch irgendwie dahin kommen konnte.
Den Freitag hatten wir fast den ganzen Tag Seminare ueber einfach alles, was es vielleicht so wissenwertes zu wissen gibt, wenn man ein Jahr in Australien verbringt. Da ging es einfach um alles, Steuern, Steuernummer, Konto, Reisen, Jobs, Arztbesuche usw. Halt alles einfach. Abends sind wir wieder losgegangen in die naechste Bar und haben noch mehr Bier getrunken. Ich muss zugeben, dass das den Abend ein wenig viel war, besonders da wir dann auch erst gegen 2 Uhr zurueck im Hostel waren und ich um 4 wieder aufstehen musste um mit der Bahn zum Flughafen zu kommen, damit ich dann auch meinen Flug bekommen konnte. Hat aber alles problemslos geklappt, auch wenn ich ein wenig von Kopfschmerzen begleitet wurde.
Nach einer langen Fahrt zum Frankfurter Flughafen und ein bisschen Trouble, weil mein eigentlicher Zug, mit dem ich nach Frankfurt kommen wollte, leider nicht gefahren ist und ich schon, bevor die eigentliche Reise ueberhaupt begonnen hat, ein bisschen Panik bekommen habe, bin ich dann trotzdem noch rechtzeitig und puenktlich am Flughafen angekommen und wurde da lieberweise auch von Merle in Empfang genommen und habe eingecheckt. War eigentlich alles ziemlich unspektakulaer. Hab schon die erste Bekanntschaft in der Schlange zum Einchecken gemacht, mit der ich wohl auch in Zukunft Australien erkunden werde. Aber soweit sind wir leider noch nicht und alles ist ein wenig in Planung (und darin sind wir beide ganz grossartig, denn unsere Plaene aendern sich praktisch taeglich).
Ansonsten gab es noch einen 6-stuendigen Aufenthalt in Seoul, den ich und ein paar andere dazu genutzt haben einen Ausflug in die Umgebung des Flughafens machen und den Fischmarkt, Strand und einen Tempel anzugucken. Hoert sich aber besser an als es eigentlich war, zum Zeitvertreib war es ok und weil wir es von Korean Air bezahlt bekommen haben, aber ansonsten eher nicht so schoen und sehenswert.